Warum dieser Artikel
Die FritzBox steht in grob 40 Prozent aller deutschen Haushalte. AVM baut gute Geräte, die Firmware ist besser als bei Billigroutern aus Asien — aber die Default-Einstellungen sind nicht ideal, und die meisten User haben nach der Ersteinrichtung nie wieder reingeschaut.
Die zwölf Punkte unten sind die Schwachstellen, die eine FritzBox (Beispiel: 7590 AX) mit Claude Code als Audit-Helfer typischerweise offenbart. Von ihnen betreffen mindestens acht jeden Standard-Haushalt. Hier der Walkthrough, mit Copy-Paste-Anweisungen.
Die Methode — Config-Export plus Claude Code
FritzBox erlaubt im Admin-Interface den Export einer verschlüsselten Config-Datei. Ein Script, das Claude Code auf Anforderung schreibt, liest die entschlüsselte Variante und prüft systematisch gegen eine Liste von Sicherheits-Kriterien:
# fritzbox_audit.py — von Claude Code generiert
import xml.etree.ElementTree as ET
import json
def check_fritzbox_config(config_path):
tree = ET.parse(config_path)
findings = []
# 12 Prüfungen, hier exemplarisch 2 gezeigt
if tree.find(".//UPnP_enabled").text == "yes":
findings.append({
"severity": "high",
"title": "UPnP aktiviert",
"fix": "System > Netzwerkeinstellungen > UPnP deaktivieren"
})
if tree.find(".//FernzugangHTTPS").text == "yes":
findings.append({
"severity": "medium",
"title": "Fernzugang via HTTPS aktiv",
"fix": "Prüfen ob nötig. Wenn ja: MyFritz-Account nutzen statt Direct-HTTPS"
})
return findings
Die Export-Funktion braucht man nicht zwingend, man kann auch durchs Interface klicken. Aber wer mehrere Boxen verwaltet (Familie, kleiner Betrieb), automatisiert damit die ganze Audit-Routine.
Die 12 Punkte — in Reihenfolge der Gefährlichkeit
1. UPnP aktiviert (Werks-Default)
Was es ist: UPnP erlaubt Geräten im Heimnetz selbständig Port-Forwardings zu beantragen. Konsole, Smart-TV, Kamera — alle machen das. Problem: Auch Malware macht das. Ein infiziertes Gerät kann so zum Einfallstor ins Heimnetz werden.
Fix: System → Netzwerkeinstellungen → "Portfreigaben mit UPnP ändern" ausschalten. Die paar Geräte die wirklich Port-Forwarding brauchen (Spielekonsole für Online-Multiplayer) kannst du manuell freigeben.
2. Fernzugang via Direct-HTTPS aktiviert
Was es ist: Manche User aktivieren "Internet → Freigaben → FritzBox aus dem Internet erreichbar". Damit steht die Admin-Oberfläche öffentlich im Netz. Auch wenn das Passwort stark ist — das ist unnötige Angriffsfläche. Jedes Jahr werden CVEs in FritzOS veröffentlicht. Wenn deine Box direkt erreichbar ist, bist du betroffen.
Fix: Entweder komplett aus, oder — wenn du wirklich Fernzugriff brauchst — über MyFritz-Account mit Zwei-Faktor. Der ist deutlich besser abgesichert.
3. WPS aktiv
Was es ist: WPS ist diese "Knopf-Druck-Funktion" für WLAN-Verbindung. Für den Komfort gebaut, aber seit Jahren bekannt für Schwachstellen (Pixie-Dust-Attack, PIN-Brute-Force). Niemand braucht WPS wenn er sich einmal hinsetzt und das WLAN-Passwort im Handy speichert.
Fix: WLAN → Sicherheit → WPS deaktivieren.
4. Gastnetz ohne Isolation
Was es ist: Wenn du ein Gastnetz hast, sollte es vom Hauptnetz getrennt sein. Sonst sehen deine Gäste (oder deren möglicherweise infizierte Geräte) deinen NAS, deinen Drucker, deine Smart-Home-Zentrale.
Fix: WLAN → Gastzugang → "Die Gastgeräte dürfen untereinander kommunizieren" aus. Und "Hotspot-Gäste dürfen auf das Heimnetz zugreifen" muss aus.
5. Altes WLAN-Passwort (vom Aufkleber auf der Box)
Was es ist: Der Werks-WPA-Key auf der Unterseite ist zufällig generiert, aber AVM nutzt einen bekannten Algorithmus. Tools wie fritzbox-key-tool können in manchen alten Modellen den Key rekonstruieren. Bei der 7590 AX gilt das nicht mehr, aber trotzdem: ersetzen.
Fix: WLAN → Sicherheit → WPA-Passwort, neues 20-Zeichen-Random setzen. In einem Passwort-Manager ablegen, nicht auswendig merken.
6. Firmware-Update-Check nicht automatisch
Was es ist: FritzOS-Updates bringen fast jedes Mal Security-Fixes. Wenn du die nicht einspielst, lebst du mit bekannten Lücken.
Fix: System → Update → "Auto-Update" aktivieren, Stufe "Sofortige Installation aller neuen Versionen".
7. Kinderschutz-Listen werden von Kindern bei Bedarf via Tailscale/VPN umgangen
Was es ist: Nicht Security im klassischen Sinn, aber relevant: Der Kinderschutz der FritzBox wird durch jedes VPN komplett umgangen. Kein Fix in der Box selbst — wenn du ernsthaft kontrollieren willst, brauchst du DNS-Filterung auf dem Endgerät (Pi-hole, NextDNS, ScreenTime-Apps).
8. NAS-Freigaben ohne Zugangskontrolle
Was es ist: Wer einen USB-Stick oder eine Festplatte an die FritzBox steckt, hat standardmäßig SMB-Freigabe mit anonymem Zugriff aktiviert. Jedes Gerät im Netz kann die Daten lesen.
Fix: Heimnetz → USB/Speicher → Zugriff mit Benutzername und Passwort erzwingen.
9. VPN-Fernzugang eingerichtet aber schwacher PSK
Was es ist: Wenn du IPsec-VPN auf der FritzBox nutzt (Anwendungen → Fernzugang → VPN), muss der Pre-Shared-Key stark sein. Die Box akzeptiert auch schwache 8-Zeichen-Keys. Bei Brute-Force dauert das nicht lange.
Fix: Neuen VPN einrichten mit PSK von mindestens 20 Zeichen. Alternativ WireGuard nutzen (ab FritzOS 7.50 verfügbar), das ist deutlich sicherer.
10. DNS ungesichert
Was es ist: Standardmäßig nutzt die FritzBox die DNS-Server deines Providers. Die können dein Browsing-Verhalten mitloggen. DNS-over-TLS wäre besser.
Fix: Internet → Zugangsdaten → DNS-Server → "Andere DNSv4-Server verwenden" und DNS-over-TLS aktivieren. Server-Optionen: 1.1.1.1 (Cloudflare) mit cloudflare-dns.com, oder 9.9.9.9 (Quad9) mit dns.quad9.net.
11. TR-064 aktiv (UPnP-Control-Protokoll für ISP)
Was es ist: TR-064 erlaubt dem Provider (oder jedem der im selben Netzwerk ist) bestimmte Kommandos an die Box zu schicken. Für manche Diagnose-Features genutzt, aber erweitert die Angriffsfläche.
Fix: Heimnetz → Netzwerk → Netzwerkeinstellungen → "Zugriff für Anwendungen zulassen" → Einstellungen prüfen, ggf. aus.
12. Push-Service mit Mail-Weiterleitung
Was es ist: Die Box kann bei Events (Anruf, Update, Fernzugriff) E-Mails an dich schicken. Die SMTP-Zugangsdaten werden dabei im Klartext in der Config gespeichert. Wenn deine Config je leaked, leaken auch deine Mail-Credentials.
Fix: System → Push Service → entweder deaktivieren, oder ein dediziertes Mail-Konto nur dafür anlegen (kein privates Konto).
Die Zwei-Minuten-Express-Version
Wenn du nur zwei Minuten Zeit hast, die drei wichtigsten Schritte:
- UPnP aus (System → Netzwerkeinstellungen)
- Fernzugang prüfen und aus (Internet → Freigaben → FritzBox aus dem Internet erreichbar)
- Auto-Update einschalten (System → Update → Auto-Update)
Das reicht um die drei größten Türen zu schließen. Alles andere ist Feintuning.
Das Audit-Script
Oben im Code-Block sind zwei der zwölf Prüfungen als lauffähiges Muster gezeigt (UPnP, Fernzugang). Die restlichen zehn hab ich bislang nur manuell durchs Interface geprüft, nicht als XML-Check codiert — wer die anderen Config-Felder kennt (z. B. für WPS, Gastnetz-Isolation, VPN-PSK-Länge) und Lust hat das Script zu vervollständigen: Zone "Hacking & Security" im Discord, das würde ich gerne zusammen fertig bauen statt es zu erfinden.
Wer ein Script für andere Router schreiben will (ASUS, TP-Link, Speedport): Das Prinzip ist gleich — Config-Export, parsen, gegen Check-Liste prüfen. Die Check-Listen sind pro Hersteller unterschiedlich aber die Struktur bleibt.
Was 2026 neu dazukommen wird
Die FritzBox wird mit FritzOS 8.5 (Q3 2026 angekündigt) mehr KI-Features bekommen — Anomalie-Detection im Heimnetz, automatische Quarantäne verdächtiger Geräte. Das könnte die Audit-Arbeit bei Neueinrichtungen reduzieren, aber für Bestands-Boxen bleibt das manuelle Durchgehen vorerst der Weg.
Weiterlesen
Für das technische Drumherum siehe WLAN-Pentesting im eigenen Lab. Für Voice-Cloning-Bedrohungen die deine Familie treffen könnten siehe CEO-Fraud per Voice-Cloning. Alle Security-Artikel im Pentesting-Pillar.
Hast du weitere FritzBox-Lücken gefunden? Oder Scripts für andere Router? Zone "Hacking & Security" im Discord — da tauschen wir solche Setups aus.





