
API-Anmeldedaten gestohlen: Anthropic und METR betroffen
API-Anmeldedaten und KI-Credits im großen Stil kompromittiert
Zahlreiche Nutzer von Anthropic Claude sowie die Forschungsorganisation METR sind Ziel koordinierter Credential-Theft-Kampagnen geworden. Wie SecurityWeek meldet, hat Anthropic proaktiv Nutzer aus ihren Accounts abgemeldet und Zahlungsdaten entfernt, um weiteren unbefugten Zugriff zu verhindern. Parallel dazu berichten Nutzer auf verschiedenen Plattformen, dass Infostealer-Malware ihre Session-Daten und API-Schlüssel gestohlen hat. Das Ausmaß wird besonders deutlich bei METR: Laut The Hacker News wurde ein METR-API-Schlüssel kompromittiert, über den Angreifer KI-Credits im Gesamtwert von etwa 600.000 US-Dollar verbrauchten, bevor der Zugriff erkannt und gesperrt wurde.
Die Angriffsmethode folgt einem etablierten Muster. Infostealer wie Lumma, Racoon oder ähnliche Varianten infiltrieren Systeme über Phishing, Drive-by-Downloads oder Malware-Kampagnen und exfiltrieren systematisch Browser-Cookies, Session-Token und gespeicherte Anmeldedaten. Diese werden anschließend in Credential-Märkten gehandelt oder direkt von den Angreifern zur Account-Übernahme genutzt. Dark Reading dokumentiert, dass eine unbekannte Anzahl von Anthropic-Nutzern auf diese Weise kompromittiert wurde. Die Reaktion von Anthropic — Zwangsabmeldung aller betroffenen Nutzer und Löschung von Zahlungsmethoden — deutet auf die Schwere der Infiltration hin. METR hingegen identifizierte den Missbrauch schneller: Das Unternehmen bemerkte ungewöhnliche API-Aktivitäten, revozierte den kompromittierten Schlüssel und konnte damit zusätzliche Schäden abwenden.
Zeitlich fallen diese Vorfälle in eine Phase erhöhter Aktivität von Infostealer-Kampagnen, die gezielt auf Entwickler und Technologie-Arbeitnehmer abzielen. API-Schlüssel und Session-Tokens sind für Angreifer besonders wertvoll, weil sie direkten, oft dauerhaften Zugriff auf teure Cloud-Services ermöglichen — ein Anreiz, der mit dem Wachstum von KI-Diensten exponentiell gestiegen ist.
DACH-Relevanz: Datenschutz, EU-AI-Act und Pflichten des Mittelstands
Auch wenn die Anschläge primär auf US-amerikanische Plattformen gemünzt waren, hat dieser Vorfall unmittelbare Konsequenzen für den deutschsprachigen Raum. Zunächst die DSGVO-Perspektive: Unternehmen und Einzelpersonen im DACH-Gebiet, die Claude-Pro-Konten nutzten oder METR-APIs in Entwicklungsprozessen integrierten, müssen eine Datenschutzfolgenabschätzung durchführen, falls personenbezogene Daten in Konten oder API-Anfragen verarbeitet wurden. Anthropic und METR sind zwar nicht DSGVO-unterworfen als US-Unternehmen, aber deutsche Nutzer können Schadensersatzansprüche geltend machen, wenn ihre Daten unsicher verarbeitet wurden — insbesondere wenn die Sicherheitsmaßnahmen nicht dem Stand der Technik entsprachen.
Zweitens betrifft dies die neue EU-AI-Act-Compliance: KI-Entwickler und -Integratoren im Mittelstand, die Anthropic oder vergleichbare KI-Services in ihre Systeme einbinden, müssen nachweisen, dass sie angemessene Kontrollmechanismen für API-Zugang implementieren. Das bedeutet konkret: Schlüsselverwaltung nach NIST-Standards, regelmäßige Rotationen von API-Credentials, Monitoring von API-Aktivitäten auf Anomalien sowie MFA für alle Konten mit Abrechnungsbefugnissen. Diese Anforderungen sind nicht neu, aber der METR-Fall zeigt, dass sie in der Praxis oft unzureichend umgesetzt werden.
Drittens: Für deutsche Pentesting-Labs, Security-Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die Frontier-KI-Modelle evaluieren, ist dies ein Weckruf zur Isolation von Evaluierungsumgebungen. Wenn METR — eine spezialisierte Forschungsorganisation — trotz fundiertem Security-Bewusstsein kompromittiert wurde, dann sind Standard-Entwickler und kleinere Teams noch anfälliger. Im DACH-Raum bedeutet das konkret: API-Keys gehören nicht auf Entwickler-Maschinen, sondern in gehärtete Secrets-Management-Systeme (wie HashiCorp Vault oder AWS Secrets Manager), und ein Nutzer pro API-Projekt statt globaler Schlüssel ist Standard.
Praktischer Take-Away: API-Schlüssel sofort überprüfen und rotieren
Der wesentliche Learning aus METR und Anthropic ist nicht die Sensation des Vorfalls, sondern die zugrundeliegende Architektur-Schwachstelle: API-Schlüssel sind Langzeit-Credentials, die (im Gegensatz zu kurzbefristeten Tokens) bei Kompromittierung wochen- oder monatelang missbraucht werden können. Die Lösung liegt in konsequenter Token-Hygiene. Unternehmen sollten ab sofort einen Credential-Audit durchführen: Welche API-Schlüssel existieren derzeit in Produktionsumgebungen? Wer hat Zugriff? Wann wurden sie zuletzt rotiert? Diese Informationen sollten in einem zentralen Secret-Management-System verwaltet werden, das automatische Rotation, Zugriffslogs und Anomalie-Erkennung unterstützt. Für Teams, die Claude-API oder vergleichbare KI-Dienste nutzen, bedeutet das konkret: alte Keys revozieren, neue Keys mit Scope-Beschränkung (z.B. Read-Only-Zugang) vergeben und ein Monitoring etablieren, das übermäßige API-Nutzung oder unerwartete geografische Zugriffe flaggt. Das ist kein zusätzliches Feature — es ist Grundhygiene, die den Unterschied zwischen lokalisiertem Schaden und einem 600.000-Dollar-Vorfall ausmacht.
Weitere Informationen zur systematischen Sicherheit von KI-Systemen finden sich in der Pillar zum KI-Pentesting. Besonders relevant für die Bewertung solcher Vorfälle ist auch die Analyse von eBPF als Sicherheitsframework, die Kernel-Level-Schutzmaßnahmen gegen solche Credential-Exfiltrationen beschreibt.