Worum es geht
Die Frage kommt in fast jedem Automatisierungs-Projekt: n8n, Make oder Zapier? Alle drei verbinden Apps, lösen wiederkehrende Aufgaben automatisch aus und sparen manuelle Klickarbeit. Die Unterschiede liegen nicht in "kann X mehr als Y", sondern in drei Fragen, die für deutsche Firmen besonders schwer wiegen: Wo laufen die Daten, wie wird abgerechnet, und wer im Team muss damit arbeiten.
Die drei Plattformen in einem Satz
- n8n — Open-Source, selbst hostbar, node-basierter Editor. Die Plattform für Teams mit technischem Anspruch und dem Wunsch nach voller Kontrolle über die Infrastruktur.
- Make (früher Integromat) — Cloud-only, visueller Flow-Editor, europäisches Mutterunternehmen. Der Mittelweg aus Bedienkomfort und Flexibilität.
- Zapier — Cloud-only, US-Unternehmen, das mit Abstand größte App-Ökosystem. Der einfachste Einstieg, wenn "einfach" wichtiger ist als "günstig bei hohem Volumen".
Hosting & DSGVO — der Unterschied, der oft entscheidet
Das ist für deutsche Mittelständler meistens der eigentliche Knackpunkt, noch vor dem Preis.
n8n ist der einzige der drei, den du komplett selbst hosten kannst — auf einem eigenen Server, in einer deutschen oder europäischen Cloud-Region, sogar komplett offline in einem geschlossenen Netz. Das macht die DSGVO-Frage in vielen Fällen trivial: Wenn die Daten dein eigenes Rechenzentrum nie verlassen, entfällt ein großer Teil der Auftragsverarbeitungs- und Drittland-Diskussion. Die n8n-Cloud-Variante läuft dagegen wie die Konkurrenz auf fremder Infrastruktur — dort brauchst du den AVV wie bei jedem anderen SaaS-Tool auch.
Make ist Cloud-only, aber das Mutterunternehmen sitzt in Europa (Prag), was die Standard-DSGVO-Fragen (AVV, Serverstandort EU) in der Praxis einfacher macht als bei rein US-basierten Anbietern — ersetzt aber nicht die eigene Prüfung, wo konkret deine Workflow-Daten liegen.
Zapier ist ein US-Unternehmen mit primär US-basierter Infrastruktur. Für DSGVO-konformen Einsatz brauchst du einen AVV inklusive Standardvertragsklauseln (SCC) — machbar, aber ein zusätzlicher Prüfschritt, den du bei n8n-Self-Hosting komplett umgehen kannst.
Preismodell — drei unterschiedliche Abrechnungslogiken
Hinweis zu den Zahlen: Automatisierungs-Anbieter ändern ihre Preistarife häufig. Die folgenden Angaben beschreiben die grundsätzliche Abrechnungslogik, nicht aktuelle Euro-Beträge — die solltest du vor einer Entscheidung direkt auf den jeweiligen Preisseiten prüfen.
Die drei Anbieter zählen fundamental unterschiedliche Dinge:
- n8n zählt Workflow-Ausführungen (Executions) — ein kompletter Durchlauf eines Workflows zählt als eine Einheit, unabhängig davon, wie viele Schritte darin stecken. Selbst gehostet entfällt die nutzungsbasierte Abrechnung komplett — du zahlst nur Server-/Infrastrukturkosten.
- Make zählt Operationen — jeder einzelne Modul-Durchlauf innerhalb eines Workflows zählt separat. Ein Workflow mit zehn Schritten verbraucht entsprechend mehr als ein einfacher Zwei-Schritt-Flow.
- Zapier zählt Tasks — jede ausgeführte Aktion (nicht der Trigger selbst) zählt als ein Task. Bei komplexen, vielstufigen Zaps summiert sich das schnell.
Praktische Konsequenz: Ein komplexer Workflow mit vielen Einzelschritten wird bei Make und Zapier tendenziell teurer als bei n8n, weil dort die Einzelschritte statt der Gesamt-Ausführung gezählt werden. Bei sehr hohem Automatisierungs-Volumen ist Self-Hosted-n8n oft die mit Abstand günstigste Option — dafür trägst du die Betriebsverantwortung selbst (Updates, Server, Backups).
Lernkurve & Zielgruppe
Zapier ist am zugänglichsten für Nicht-Techniker: lineare "Wenn A, dann B"-Logik, riesige Bibliothek an vorgefertigten Templates, kaum Einarbeitungszeit nötig.
Make liegt dazwischen: visueller, verzweigter Flow-Editor mit mehr Möglichkeiten für Bedingungen und parallele Pfade als Zapier, aber ohne dass Programmierkenntnisse nötig sind.
n8n hat die steilste Lernkurve der drei — dafür auch die größte Tiefe. Eigener JavaScript-/Python-Code in einzelnen Nodes, direkter Datenbankzugriff, vollständige Kontrolle über Fehlerbehandlung und Wiederholungslogik. Für ein Team ganz ohne technischen Hintergrund ist das anfangs eine Hürde; für ein Team mit einem IT-affinen Mitarbeitenden zahlt sich die Investition schnell aus.
App-Ökosystem
Zapier hat das mit Abstand größte Katalog an vorgefertigten Integrationen — für exotische oder sehr spezielle Tools ist die Trefferquote hier am höchsten. Make liegt in der Größenordnung dahinter, deckt die gängigen Business-Tools aber gut ab. n8n hat ebenfalls eine breite Node-Bibliothek, und wo eine native Integration fehlt, lässt sich über den generischen HTTP-Request-Node praktisch jede API anbinden — mit etwas mehr Konfigurationsaufwand als bei einer fertigen nativen Integration.
Wann sich welches Tool lohnt
- Datenschutz ist die härteste Anforderung, IT-Ressourcen sind vorhanden: n8n selbst gehostet. Volle Kontrolle, keine Drittland-Diskussion, planbare Fixkosten statt nutzungsbasierter Abrechnung.
- Guter Kompromiss aus Bedienkomfort und europäischem Anbieter, kein eigenes Hosting gewünscht: Make.
- Schnellster Einstieg, kein technisches Team, überschaubares Automatisierungs-Volumen: Zapier — mit AVV/SCC-Check vorab.
- Sehr hohes Automatisierungs-Volumen, Budget ist der Haupttreiber: n8n (self-hosted) meist am günstigsten in der Gesamtrechnung, weil die Server-Fixkosten nicht mit dem Nutzungsvolumen mitwachsen.
Entscheidung vor dem Kauf in fünf Schritten prüfen
Die richtige Reihenfolge verhindert, dass ein Tool-Vergleich bei Listen von Features hängen bleibt. Erstens: Zeichne einen echten Workflow mit Trigger, allen Verarbeitungsschritten, Fehlerfällen und monatlicher Ausführungszahl auf. Zweitens: Kläre für jede Datenklasse, ob sie die eigene Infrastruktur oder den gewählten Datenstandort verlassen darf. Make lässt den Datenstandort einer Organisation zwischen EU und USA wählen; diese Wahl sollte vor dem Aufbau der ersten produktiven Szenarien getroffen werden. Drittens: Rechne denselben Workflow in den Einheiten des jeweiligen Anbieters durch – n8n-Ausführungen, Make-Credits beziehungsweise -Operationen und Zapier-Tasks. Viertens: Benenne eine Person oder ein Team, das Fehler, Zugangsdaten, Updates und Backups verantwortet. Fünftens: Baue den kritischsten Ablauf als kleinen Pilot und messe Ausführungen, Fehlerrate und manuellen Nacharbeitsaufwand vier Wochen lang. Erst diese Messwerte machen die Kosten- und Hosting-Entscheidung belastbar.
Aktuelle Primärquellen
- n8n-Dokumentation zum Hosting
- Make: Credits und Operations
- Make: Datenstandort einer Organisation
- Zapier: Task-basierte Nutzung
Fazit
Es gibt hier kein objektiv "bestes" Tool — die Entscheidung hängt fast immer an zwei Fragen: Wie wichtig ist volle Kontrolle über den Hosting-Standort, und wie viel technisches Know-how ist im Team vorhanden. Wer beide Fragen ehrlich beantwortet, landet meistens schnell bei einer der drei Optionen — und kann sich das lange Hin-und-Her zwischen Testphasen sparen.





